Allein sehen - gemeinsam gehen
Westerkappeln - „Die7“ - das sind sieben Künstlerinnen aus Osnabrück, Hagen, Lienen, Lengerich, Tecklenburg und Ibbenbüren - sie haben in Westerkappeln das Galerie-Café auf dem Kulturhof Westerbeck erstürmt! Als „Künstlerinnenstammtisch Lengerich“ haben sie sich als Gleichgesinnte zusammengefunden, arbeiten getrennt aber tauschen sich aus, lernen von einander und treten gemeinsam auf.
Professor Raimund A. Beckmann als Hausherr und „Ausstellungsmacher“ hatte nicht nur alle Hände voll zu tun, um das Überangebot der Kunstwerke zu sichten, zu ordnen und in ein Ausstellungskonzept zu übertragen; er hatte auch Mühe, die unterschiedlichsten Lebenswege der Frauen und ihre Arbeitsweisen auseinander zu halten und zu würdigen. „Sieben Fahrzeuge voller Bilder und Kartons mit sieben aktiv vor Lebensfreude sprudelnden Frauen - da musste ich mir erst mal einen Kaffee kochen“, sagt Beckmann. Doch nun, da alle Werke ins rechte Licht gerückt sind und - bei aller Fülle im Raum - „doch einigermaßen geordnet wirken“, wie Beckmann seinen eigenen Beitrag kritisch betrachtet, ist der Hausherr sehr zufrieden und freut sich auf die Vernissage heute um 17 Uhr im Galerie-Cafe. „Ich bin angenehm überrascht von der inhaltlichen und technischen Qualität der Arbeiten in ihrer Gesamtheit da wird mir bei der Eröffnungsrede bestimmt etwas Positives einfallen“ äußert er sich verschmitzt.
Quelle: Westfälische Nachrichten 3.9.2010

von Maria Osterhoff
Westerkappeln - Sieben Künstlerinnen, die sich als „Künstlerinnen-Stammtisch Lengerich“ monatlich begegnen, feierten mit Prof. Beckmann und einem begeisterten Publikum die Vernissage der September-Ausstellung im Galerie-Café auf dem Kulturhof Westerbeck.
Das kleine Café konnte die Kunst-Liebhaber kaum fassen. Unter der Regie Beckmanns sind die zahlreichen Werke der sieben Frauen mit ganz unterschiedlichen Charakteren zu einer homogenen Präsentation zusammengewachsen, die erstaunen lässt. „Der kann das, der ist ja auch Architekt“ sagte eine Besucherin lächelnd und widmete sich wieder den Werken.
Unter dem Thema „Wege“ hatten „Die7“ sich bereits im letzten Jahr bei Prof. Beckmann vorgestellt, der sie mit dem Untertitel „allein sehen - gemeinsam gehen“ auf den „Weg“ geschickt hatte: „Obwohl wir viele Wege gemeinsam gehen, sieht jeder von uns die Dinge des Weges anders.“ erläutert Beckmann in seiner Eröffnungsrede „Obwohl wir viele Erlebnisse gemeinsam erfahren, nehmen wir sie als Erfahrung sehr unterschiedlich in unser Gedächtnis auf. Denn jeder sieht mit eigenen Augen: die Details, ihre Farben und Formen, die Menschen, ihre Sprache und Gesten. Darum das Interesse aneinander, an der Begegnung und dem Gespräch.“
Quelle: Westfälische Nachrichten 7.9.2010
Beckmann stellte die einzelnen Künstlerinnen und ihre Werke in freier Rede vor: „mit nichts als der Preisliste bewaffnet“. Die Liste war sein roter Faden, denn er selbst hatte den meisten Werken einen Titel verliehen. Seine Begründung: „Das Werk selbst muss uns ansprechen. Wenn es noch einer Erläuterung durch die Künstlerin bedarf, ist es noch nicht fertig: Wir als Betrachter müssen mit dem Werk in einen Dialog treten und können dabei - wenn es uns denn anspricht - ihm dann selbst den Titel geben.“ Da wurde es auch für die Künstlerinnen hoch interessant und sie lauschten den Deutungen des Ausstellungs-Gestalters gespannt. „Bewegend wie Beckmann in diesen Bildzusammenhängen Lebensfragen thematisiert!“ urteilte eine Besucherin und nahm damit zugleich eine seiner Deutungen des Weges auf, die im Begriff Bewegung steckt. Eine kurzweilige Betrachtung, mal heiter mal besinnlich, die von der Flötistin Constanze Kästner in den unterschiedlichen Stimmungen ganz vorzüglich gerahmt und unterstützt wurde.
„Die Ausstellung ist eröffnet und ich bin dann mal weg“ war Beckmanns Schlusswort als Aufforderung, sich gleichfalls auf den Weg - durch die Ausstellung - zu machen. Diese ist nun bis zum 3. Oktober einschließlich - jeweils Samstags- und Sonntagsnachmittags - zu besichtigen. Fotos von der Ausstellung hier

Lengerich - Leer stehende Ladenlokale sind Schandflecke in jeder Stadt. Auch in Lengerich. Eine schöne Idee ist es, deren Schaufenster mit Bildern zu bestücken. Das ist in den vergangenen Jahren bereits mehrfach geschehen. Marion Marx vom Künstlerinnenstammtisch hat sich immer wieder eingebracht. Interesse daran, dass bei Leerstand die Fassade stimmt, hat auch die Wirtschaftsförderung der Stadt Lengerich. „Da haben wir die Anfrage der Stadt gerne aufgenommen, den ehemaligen CD-Laden zu nutzen“, berichtet Marx.
Der Geschäftsraum am Kirchplatz ist inzwischen umgestaltet worden und gleicht einer Galerie. Viele Bilder der sieben Künstlerinnen, die dem Stammtisch angehören, zieren die Wände und sind in den Schaufenstern zu sehen. „Wir sind ein eingespieltes Team, jeder packt mit an“, berichtet Marion Marx. Zu sehen sind Bilder in Aquarell-Technik, Acryl Spachteltechnik, Acryl Spritz- und Spachteltechnik, Acryl Tupf- und Wischtechnik und Acryl-, Öl-, Pigment Spachteltechnik . Die Bandbreite reicht von Aquarell, Informel, experimentell-gestische Malerei, Grafik, Zeichnung, Kreide, Acryl, Öl und Pastellmalerei bis Abstrakt und Keramik-Arbeiten.
Der Künstlerinnenstammtisch hat in dem leer stehenden Geschäft vorübergehend eine neue Bleibe gefunden.

Westerkappeln - Draußen war es kalt, regnerisch und stürmte, aber auf dem Kulturhof Westerbeck herrschte am Wochenende das Flair Afrikas. Zum ersten Mal veranstalteten Professor Raimund A. Beckmann und sein Team einen alternativen Weihnachtsmarkt
Unter dem Motto „Black X-mas - Artmarket“ boten die Galeristen Tom Blomefield, Eberhard Schnake aus Münster-Hiltrup und Mitorganisatorin Geja Stassen quasi zum Saisonschluss afrikanische Kunstobjekte an. In Halle und Remise wurden außer Steinskulpturen aus Simbabwe auch Makonde-Schnitzereien aus Tansania sowie Keramik, Trommeln und Masken aus Ghana präsentiert. Die Gäste nutzten die Gelegenheit und genossen im Café hausgemachte Weihnachtstorten, heiße Schokolade, Kaffee, Tee und Glühwein. Auch hier waren sie von Kunst umgeben, die erworben werden konnte: Gemälde von Monika Leonhard, Gaby Wilken und Helmut Luckmann sowie Keramik von Beatrice Gunschera.
Deren Tonobjekte sind im traditionellen Tonnenbrand entstanden und wirken wie archaische Kultobjekte oder haben das Aussehen von Naturmaterial.
Außerdem konnten filigrane Metallobjekte wie „Kerzen in Balance“ von Jacob Tilmann erworben werden. In leuchtender Farbigkeit zeigten sich die Gemälde des afrikanischen Künstlers Barakinya. Eigentlich als Bildhauer tätig versuchte er sich noch kurz vor seinem Tod als Maler und stellte seine afrikanische Umwelt mit Elefanten oder Schlangen in mythisch wirkender Beziehung dar. Dazu inspiriert hatte ihn sein Freund Tom Blomefield. Wie Geja Stassen berichtete, wird Blomefield zum Saisonstart im nächsten Frühjahr

Tecklenburg - Werkzeugkisten auf dem Boden. Zangen, Nylonseile, Drähte, Haken liegen herum. Auf einem Glastisch ein Hammer. „Den nehme ich lieber weg“, greift Roswitha Schulz zum Stiel. Den ganzen Vormittag über hat sie, gemeinsam mit ihren Kolleginnen, in der Legge zu den Werkzeugen gegriffen. Handwerkliche Mittel bringen Kunst zur Geltung. Der Künstlerinnen-Stammtisch Lengerich bereitet seine Ausstellung im Torhaus vor.
„Haben wir eigentlich einen Titel für die Ausstellung?“, fragt Marion Marx. Stirnrunzeln in der Runde. Es wird eine Ausstellung ohne Titel, die am Samstag, 30. April, um 17 Uhr eröffnet wird. „Titel haben etwas Einschränkendes“, findet die Künstlerin. Nicht nur für den Kulturschaffenden, sondern auch für den Betrachter.
Monika Leonhard gibt ihren Bildern selten einen Titel. „Eigentlich nur, wenn man zu einem Thema malt und das Motiv für den Betrachter nicht sofort offensichtlich ist“, fügt sie nachdenklich hinzu. Dann zeigt sie auf eines ihrer Exponate. „Das ist nach dem Foto eines rostigen Pinsels entstanden. Soll ich da rostiger Pinsel drunterschreiben?“ Klare Sache, das Motiv muss sich dem Schauenden erschließen, er muss sich Gedanken machen, was er sieht - in diesem Fall bestimmt keinen rostigen Pinsel.
"Motive entstehen oft aus Ideen, die einem durch den Kopf gehen“, beschreibt Brigitta Koyteck, wie ein Gedanke zu einem Gemälde werden kann. Das sei dann für den Kunstschaffenden wichtig. Eine Ausstellung zu einem Thema könnte da einengend wirken.
Immerhin, für die Mitglieder des Künstlerinnen-Stammtisches ist es die siebte gemeinsame Ausstellung. Der Blick in die Pressemappe und das Nachzählen unter Zuhilfenahme der Finger führen zu diesem Resultat. Eine beachtliche Zahl, da der Stammtisch sich erst vor vier Jahren zusammengefunden hat.
Bei durchschnittlich zwei Ausstellungen im Jahr bleibt dennoch Zeit für neue Kunstwerke. „Das sind keine Reste“, klingt es etwas pikiert aus dem Mund von Brigitta Koyteck. Gelächter brandet auf. Mal passt eine Idee zu einer geplanten Ausstellung, mal nicht. „Trotzdem werden die Bilder gezeigt“, lässt Roswitha Schulz kein Rütteln an der künstlerischen Freiheit zu.
Beatrice Gunschera ist bisher nur aufmerksame Zuhörerin. Im Gegensatz zu ihren fünf Mitstreiterinnen beansprucht sie keinen Platz an einer der Wände. Sie zeigt Keramiken, veredelt mit einem speziellen Brandverfahren. Gebannt hängen die Malerinnen an ihren Lippen, als sie von dem ausrangierten 200-Liter-Fass erzählt, in dem ihre Keramiken mit Eichen- oder Buchenholz bei niedrigen Temperaturen gebrannt werden.
Niedrig ist nicht wörtlich zu nehmen. „800 bis 900 Grad Celsius sind das schon“, präzisiert sie. Aber es heißt Niedrigbrandverfahren, weil in einem normalen Brennofen Temperaturen von über 1000 Grad Celsius erreicht werden.
Angezündet wird das Holz in der Tonne nur in der kalten Jahreszeit. „Ich möchte nicht, dass durch Funkenflug etwas passiert“, nennt sie den Grund.
Ihre künstlerische Tätigkeit wird dadurch nicht beschnitten. Alle Skulpturen erfahren zwei Brand-Schritte. „Getrocknet wird per Schrüh-Brand“, kommt es ihr locker über die Lippen. Dann buchstabiert sie das Wort für den Laien.
Es ist ein altes Verfahren. „Das Holz brennt von oben nach unten ab, die Glut sickert zwischen die Keramiken“, erläutert Beatrice Gunschera. Das funktioniert nur, weil am Fuß der Tonne ein Ofenrohr angebracht ist, das die notwendige Verbrennungsluft durch das Fass zieht. Zweite Voraussetzung: Das Holz muss vertikal gestapelt werden.

Einige der über 40 Bilder müssen noch aufgehängt werden. Welches Exponat wo hängt - „darüber entscheiden wir gemeinsam“, sagt Monika Leonhard. Beatrice Gunschera braucht für ihre Skulpturen keine Wandflächen. „Noch nicht“, schmunzelt sie. Keramik für die Wand hat sie in Arbeit.
Die Ausstellung des Künstlerinnen-Stammtisches wird am Samstag, 30. April, um 17 Uhr eröffnet. Jeweils samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11.30 bis 18 Uhr sind die Werke im Torhaus Legge zu sehen. Eine Künstlerin wird immer anwesend sein, verspricht das Quintett - auch im Namen der an diesem Vormittag fehlenden Gaby Wilken.
Quelle: Westfälische Nachrichten 29.4.2011